Forecasting 2.0: Wie KI-Modelle den technischen Großhandel revolutionieren

Im technischen Großhandel entscheidet die Lieferfähigkeit über den Erfolg. Doch klassische, statistische Verfahren stoßen bei tausenden SKUs, saisonalen Schwankungen und globalen Lieferunsicherheiten oft an ihre Grenzen. Hier setzen neuartige Forecasting-Modelle an, die weit über die einfache Fortschreibung von Vergangenheitswerten hinausgehen.

Dirk Reimsbach

Dirk Reimsbach

Head of Commerce Development

Dirk Reimsbach leitet das Commerce Development der Medienwerft. Als E-Commerce Spezialist ist er besonders vertraut mit den Herausforderungen, denen sich B2B-Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Onlineshops stellen müssen. Ein weiterer Schwerpunkt von Dirk Reimsbach ist der Lean Commerce Ansatz und hier speziell das Replatforming, z.B. auf Emporix.

Warum scheitern immer mehr klassische Modelle beim Forecasting?

Traditionelle Methoden wie der gleitende Durchschnitt oder die exponentielle Glättung betrachten Daten isoliert. Sie ignorieren oft:

  • Kausalzusammenhänge: (z. B. Baukonjunktur oder Projektgeschäfte).
  • Interdependenzen: Wie beeinflusst der Verkauf von Maschine A den Bedarf an Ersatzteil B?
  • Externe Faktoren: Wetterdaten, Hafenstaus oder Preisindizes für Stahl und Kupfer.

 

Die neuen Player: Deep Learning & Transformer

Die aktuelle Generation von Vorhersagemodellen nutzt Architekturen, die ursprünglich für die Sprachverarbeitung (wie ChatGPT) entwickelt wurden.

1. Probabilistisches Forecasting

Statt einer punktgenauen Zahl („Wir verkaufen 100 Stück“) liefern moderne Modelle eine Wahrscheinlichkeits­verteilung.
Vorteil: Der Großhändler kann Sicherheitsbestände präziser definieren. Man entscheidet sich z. B. für ein Level, das eine 95-prozentige Lieferfähigkeit garantiert, anstatt nur auf den Mittelwert zu hoffen.

2. Temporal Fusion Transformers (TFT)

Diese Modelle sind darauf spezialisiert, Zeitreihen zu verstehen. Sie können komplexe Muster in den Daten erkennen und gleichzeitig erklären, warum eine Vorhersage so ausfällt. Für den technischen Großhandel bedeutet das: Das System erkennt, dass eine Promotion in Kombination mit einem regionalen Feiertag den Bedarf massiv verschieben wird.

3. Graph Neural Networks (GNN)

Im Großhandel sind Produkte oft miteinander verknüpft (Stücklisten, Zubehör). GNNs bilden diese Netzwerke ab. Wenn die Nachfrage nach einem bestimmten Kabeltyp steigt, „weiß“ das Modell automatisch, dass auch die Nachfrage nach den passenden Steckverbindern steigen wird.

Strategische Vorteile mit der Medienwerft

Die Implementierung solcher Modelle in eine moderne E-Commerce- und ERP-Landschaft (wie SAP S/4HANA) bietet handfeste Mehrwerte:

Lagerhaltung

Lagerhaltung

Reduktion von Tothandelsbeständen um bis zu 20%.

Kundenzufriedenheit

Kundenzufriedenheit

Drastisch höhere Lieferquote bei kritischen A-Artikeln.

E-Commerce

E-Commerce

Dynamische Preisgestaltung basierend auf prognostizierter Knappheit.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit

Weniger Notfall-Logistik und optimierte Transportwege.

Fazit

Vom Reagieren zum Agieren

Der technische Großhandel wandelt sich vom reinen Logistiker zum datengetriebenen Servicepartner. Wer heute in moderne Forecasting-Modelle investiert, minimiert nicht nur sein Kapitalbindungsrisiko, sondern schafft die Basis für eine resiliente Supply Chain.

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Häufige Fragen zum
Forecasting im technischem Großhandel

Forecasting bezeichnet eine Vorhersage zukünftiger Entwicklungen auf Basis von Daten, Trends und statistischen Modellen. Unternehmen nutzen Forecasting, um fundierte Entscheidungen zu treffen, z. B. in den Bereichen Absatzplanung, Nachfrageprognosen, Budgetierung oder Personalplanung.

Ziel ist es, Unsicherheiten zu reduzieren und Prozesse effizienter zu steuern.

Im Großhandel wird Forecasting vor allem zur Nachfrageprognose und Bestandsplanung eingesetzt. Händler analysieren historische Verkaufsdaten, saisonale Trends und externe Faktoren, um:

  • Lagerbestände zu optimieren
  • Lieferketten effizient zu steuern
  • Engpässe oder Überbestände zu vermeiden

Ein präzises Forecasting hilft dabei, Kosten zu senken und die Lieferfähigkeit zu erhöhen, was ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im Großhandel ist.

Künstliche Intelligenz verbessert Forecasting, indem sie große Datenmengen automatisch analysiert und komplexe Muster erkennt, die mit klassischen Methoden schwer zu identifizieren sind.
Typische Einsatzbereiche:

  • Machine Learning Modelle für präzisere Prognosen
  • Berücksichtigung externer Faktoren wie Wetter, Trends oder Marktveränderungen
  • Automatisierte Anpassung von Prognosen in Echtzeit

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Probabilistisches Forecasting ist eine Methode, bei der nicht nur ein einzelner Prognosewert, sondern eine Wahrscheinlichkeitsverteilung möglicher zukünftiger Werte berechnet wird.

Statt z. B. „100 Verkäufe“ vorherzusagen, zeigt das Modell:

  • 80–120 Verkäufe mit bestimmter Wahrscheinlichkeit

Das ermöglicht:

  • Besseres Risikomanagement
  • Fundiertere Entscheidungen unter Unsicherheit
  • Realistischere Planung in volatilen Märkten

Ein Temporal Fusion Transformer ist ein Deep-Learning-Modell zur Zeitreihenprognose, das speziell für komplexe Forecasting-Aufgaben entwickelt wurde.

Besondere Merkmale:

  • Kombination von historischen Daten und zukünftigen Einflussfaktoren
  • Nutzung von Attention-Mechanismen zur Gewichtung relevanter Variablen
  • Hohe Interpretierbarkeit im Vergleich zu anderen KI-Modellen

TFTs werden häufig eingesetzt für die Absatzprognosen, Finanzforecasting oder zur Supply-Chain-Optimierung.

GNN steht für Graph Neural Networks: Eine spezielle Form von KI-Modellen, die Beziehungen und Netzwerke zwischen Datenpunkten analysieren.

Im Forecasting können GNNs genutzt werden, um:

  • Abhängigkeiten zwischen Produkten, Standorten oder Kund:innen zu erkennen
  • Lieferketten und Netzwerke besser zu modellieren
  • Genauere Prognosen durch Berücksichtigung von Zusammenhängen zu erstellen

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André Osysguß

ANDRÉ OSYGUß
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